QuintessenZ
Wusstest du schon, dass
ein durchschnittlicher Regentropfen eine Geschwindigkeit von 35 km/h erreicht?
|
|||
Die zertanzten Schuhevon Rosa Lyenska am 30.03.2011 20:39„Hey Leute! Ich heiße Bob und bin ein Bleistift. Und das ist mein Partner, Olaf, ein Radiergummi.” – „Danke Bob, aber ich kann mich auch selber vorstellen. Ja, wie gesagt, ich heiße Olaf und bin ein Radiergummi. Ich bin genau 13 cm, habe echtes Ledergummi an mir und bin kariert.” – „Jaja Olaf, wir sind hier nicht da, um die Radiergummifrauen anzumachen. Nein, wir wollten eigentlich eine Geschichte erzählen…” – „Nein Bob, du wolltest eine Geschichte erzählen. Ich wollte eigentlich eine Persil-Werbung machen.“ – „Bitte unterbrich mich nicht. Also, wir erzählen euch heute eine Geschichte. Die Geschichte heißt: Die zertanzten Schuhe. Celina, eine der 12 Freundinnen, hatte ein Geheimnis, das sie immer mit sich trug. Niemand wusste davon. In ihrem Gartenhaus öffnete sich durch das Drehen einer Schraube, an der früher das Porträt ihrer Großmutter hing, eine Treppe im Boden. Die führte zu einer Welt voller Magie und Zauberei. Doch an einem Abend sollte dieses Geheimnis in Gefahr sein…
„Das kann doch nicht wahr sein“, schrie Celina, als sie erfuhr, dass ihre Tanzgruppe in dem Landeswettbewerb nicht weiter kam. „Dabei haben wir so viel trainiert“, seufzte ihre Freundin Mariam. Es waren genau 12 Personen in der Gruppe. Jahrelang hatten sie für die Meisterschaft geprobt. Fast keine freie Minute haben sie nicht die Tanzschritte geübt. Und nun das. „Leute, ich muss gehen. Meine Mutter will dass ich ihr beim Putzen helfe“, seufzte sie. Leonora, die Zicke aus der Gruppe, sah sie angewidert an und fragte: „Aber… Vielleicht bricht dir ein Nagel ab“ – „Oh Gott! Und dann verwischt mir auch noch meine Wimperntusche“, witzelte Celina. Alle lachten. Nur Leonora sah auf ihre schön gepflegten Fingernägel. Celina hatte ein kleines Gartenhaus, in dem ihre Freundinnen und sie jede Woche übernachteten. Enttäuscht und erniedrigt kam sie zu Hause an. „Papa, wir sind net weiter“, knurrte sie und setzte sich auf das Sofa. „Ach, sei nicht traurig, beim nächsten Mal klappt es bestimmt. Ich habe eine Überraschung für dich“, erwiderte ihr Vater und holte eine große Kiste aus dem Schrank. Er schnitt sie mit einer Schere auf und holte ein paar Schuhe raus. Am Anfang konnte Celina noch nicht genau erkennen, was für Schuhe das waren. Doch dann… „Jaaaa!“, rief sie, „unsere Tanzschuhe sind da!“ Sie waren perfekt. Goldene Schnürsenkel und echte Ledersohlen. Natürlich konnte sich der Vater von ihr das leisten. Er war nämlich der Bürgermeister. Streng war er aber auch. Und wie streng sogar…
„Äm, kleine Unterbrechung.“ – „Olaf, du störst die ganze Geschichte!“ – „Ach Bob, die ist doch nicht so wichtig. Ich muss gleich gähnen, so langweilig ist sie!“ – „Du weißt schon, dass Radiergummis nicht gähnen können.“ – „Achso, aber Bleistifte können Geschichten erzählen, oder was?!“ – „Ach, jetzt lass uns weiter machen….“
„Mausi, komm, hilf mir beim Abwaschen“, rief Celinas Mutter. Sie war zwar in vielen Situationen, wie soll man sagen, eine „Oh mein Gott, wie peinlich“-Mutter, aber immer offen für Probleme. Celina überhörte die lauten Rufe der Mutter, weil sie die Kiste mit den Schuhen anstarrte. „Sie sind wunderschön“, dachte sie. Leider war das Schwärmen bald vorbei, denn das ständige Geschrei der Mutter wurde bald zum wütenden Geschrei. Bald schon konnte man das sogar nicht mehr Geschrei nennen, sondern einen traditionellen Wutausbruch in der Familie. Der Alltag war wie in einem Spiel. Kennst du die Spielregeln, bleibst du glücklich. Befolgst du sie aber nicht, verlierst du schnell deine Leben. Und dann heißt es „Game Over“. Also huschte Celina schnell in die Küche, nahm die Seife, die ihr tausendmal zuvor aus der Hand flutschte und auf den Boden fiel, und erledigte schnell den Abwasch. Überall schmutzige Teller. Sie gab einen unterdrückten Würgelaut von sich und putzte schließlich weiter. Das schmutzige Geschirr erschien ihr noch weniger einladend als sonst. Trotzdem wollte sie sich den heutigen Abend nicht verderben lassen. Denn heute war es wieder so weit: Ihre 11 besten Freundinnen sollten zu Besuch kommen. Heute würde Celina endlich ihr größtes Geheimnis verraten. Am Abend klingelte es an der Tür. „Wer könnte das sein, Papa”, fragte Celina erstaunt. Der Vater ging einen kurzen Moment. „Ach ja, es ist bestimmt Mr. Mortimer. Er wollte uns sein neues Gericht probieren lassen. Kohlebrei mit Kohlrabi”, sagte er bestimmt. Celina machte ein verekeltes Gesicht, kniff die Augen zusammen und stieß hervor: „Ich glaube, das wäre der letzte Besuch von Mr. Mortimer. Nachdem Mama sein neues Gericht gegessen hat, würde sie ihm bestimmt ihre neue „Hau ab, sonst scheuer ich dir eine mit der Bratpfanne”-Karatekunst zeigen!“ Der Vater prustete vor Lachen. „Leute, ich habe Angst. Sollen wir nicht lieber schlafen gehen“, flüsterte Kischa, das schüchternste Ding aus der Gruppe, als Celina eine schaurige Gruselgeschichte erzählte. „Du hast recht. Sonst fressen uns noch die Monster unter meinem Bett auf!“ – „Lass das, Celi“, japste Leonora und setzte sich aufrecht hin. Celina lachte und nickte: „Oh. Stimmt. Wenn die Monster uns auffressen, kann sich Leonora ja nicht mehr im Spiegel angucken.“ Wieder kicherten alle und wurden danach rot wie Tomaten. Celina wurde ernst. Sie machte eine dramatische Pause, wie um sich zu versichern, dass sie die Aufmerksamkeit hatte: „Hey, ich muss euch was zeigen, aber ihr dürft es niemanden weiter erzählen.“ Celina drehte an einer verrosteten Schraube, die an der Wand befestigt war. Der Boden fing an zu wackeln. Die Lichter flackerten…
„Und lass mich raten, das Telefon klingelte, aber es war niemand in der Leitung.“ – „Olaf, zum letzten Mal: Hör auf mich ständig zu unterbrechen!” – „Na gut, wollen wir nicht lieber unser Persil-Lied singen?“ – „Wenn du dann aufhörst mich immer zu unterbrechen.“ – „Okay mach ich, eins... zwei... drei: Immer wieder weiß, auf der Verpackung steht's genau. Es ist einfach zu bedienen, das Produkt ist einfach schlau. Uuuuund wir singeeeen: Mit Persil ist kein Fleck mehr zu sehen, mit Persil wird kein Dreck mehr geschehen, mit Persil werden wir glücklich sein, schmutzige Wäsche?, oh nein!!!“ – „Okay Olaf, das reicht, nun geht’s weiter…“
Plötzlich schob sich der eingebaute Marmorboden auseinander. Eine goldene Treppe kam hervor. „Celina, ich hab Angst, ich hole deinen Vater“, kreischte eines der Mädchen. Celina sah um sich. Es war Naomi, die ängstlich hinter ihrer Freundin stand. Sie wollte gerade loslaufen. Schnell packte Celina sie an der Schulter und zog sie zu sich. „Keine Angst, es passiert nichts schlimmes“, flüsterte Celina ihr ins Ohr. Sie konnte genau Naomis Atem spüren. Ihr Zittern, und das ständige Schlucken. Die Treppen waren keineswegs hart und kalt. Im Gegenteil. Sie waren so flauschig wie Wolken. In diesem Moment dachte Celina nur: „Ich möchte einfach dahinfliegen.“ Nun waren sie unten angelangt. Die Bäume schimmerten und alles war wie verzaubert. Da entdeckte Celina die neuen Tanzschuhe. Alle zwölf in einer Reihe. Erstaunt war sie, als aus dem Nichts plötzlich eine mitreißende Musik hervorkam. Also zogen sie ihre Schuhe an und tanzten. Die schöne Wiese und die Tanzfläche verwandelte sich in Las Vegas, London, China und alle anderen beliebigen Orte. So tanzten sie bis zum nächsten Morgen. „War das ein Traum? So etwas gibt es nicht... einfach verrückt“, konnte Celina aus der hintersten Ecke hören. Mit einem Lächeln im Gesicht richtete sie sich auf. „Wir müssen wohl eingeschlafen sein“, dachte sie. Die Stimmen verschwammen zu einem unbestimmten Hintergrundrauschen. Denn sie hörte ihren Vater aus dem Haus schreien. Sicherlich stritt er gerade mit einem Angestellten. Schnell huschte sie ins Haus. Doch der Streit wurde zur Nebensache, als er die zertanzten Tanzschuhe an Celinas Füßen entdeckte. „Was ist denn mit den Schuhen passiert“, brüllte der Vater laut und kniff wütend die Augen zusammen. „Wir… ich weiß es nicht, ich schwöre“, sagte sie unauffällig. Doch das wurde nichts mit dem unauffällig. Der Vater nickte mit dem Kopf und lief stocksauer ins Wohnzimmer. Wir suchen einen Aufpasser für 12 Mädchen im jugendlichen Alter.
Die Zeit verging und die nächste Woche war gekommen. Der erste freiwillige Aufpasser war der Chefangestellte, Mr. Klockomeyer-Wolfsruk-Mondelfischker. Er hatte einen sehr komischen Namen. Selbst der Vater begrüßte ihn mit: „ Einen schönen guten Abend, Mr. Klockrukfischker-Dingens. Äm… Kommen sie doch einfach rein.“ Leise schlich sich Celina aus ihrem Zimmer und kauerte sich hinter das Treppengeländer, während der Vater ein langes Gespräch mit Mr. Klockomeyer-Wolfsruk-Mondelfischker führte. Er erklärte ihm alles. Wie man die Lebensmittel finden konnte. Den großen Kühlschrank, ohne das alles rausfiel, aufmachte, bis zu den Treppen, auf denen der Hund immer besonders gerne seinen Schönheitsschlaf machte. Und bei Störungen wurde man von ihm in den Po gebissen. Deshalb hing an der Treppe ein Zettel: VORSICHT, BISSIGER HUND! ACH JA, UND NÄHERN SIE SICH NUR MIT EINER BRATPFANNE! Ja, das war schon eine gute Idee. Er war natürlich nicht so gefährlich wie da stand. Er war gefährlicher! Doch Celina fand das alles unfassbar witzig. Wie dann diese Trottel vor ihrem Vater stehen würden und am liebsten empört gesagt hätten: „Sie können durch Wände, oder so, gehen. Raus gegangen sind sie nicht!“ Am Abend erschienen wieder alle elf. Der neue Aufpasser, Mr. Klockomeyer-Wolfsruk- Mondelfischker, oder auch Mr. Klockrukfischker-Dingens genannt, schlug unauffällig ein Zelt vor dem Gartenhäusschen auf, als die 12 schon in den Schlafsäcken eingewickelt waren, und wartete. Und wartete, und wartete. Schlief aber nach einer Stunde ein. Wie die Male zuvor nahm die Nacht denselben Ablauf. In der nächsten Woche auch. Und in der dritten auch. So bekamen alle Freiwilligen 2% mehr Mietkosten. Die 12 Freundinnen freuten sich natürlich. Nach zahlreichen Aufpassern, die zu nichts taugten, meldete sich ein Arbeitsloser, der früher eigentlich der beste Polizist der Stadt war. Nur leider erlitt er eine schlimme Gehirnerschütterung und die Ärzte meinten, er müsste seine aufregende Arbeit aufgeben. Gerade war er auf dem Weg zum Haus, da begegnete ihm ein Kostümbildner: „Guten Tag der Herr, wo soll esdenn hin gehen?“ – „Ach wissen sie, ich suche nach Abenteuern. Nun bin ich unterwegs zu der Familie in diesem Haus. Ich meldete mich an, um auf die 12 Mädchen aufzupassen. Ich habe gehört, dass sie jede Nacht verschwinden. Und ich möchte das Geheimnis lüften.“ Der Kostümbildner starrte ihn genau an und erklärte: „Aber was ist mit den 2% Mietkosten? Haben sie denn keine Angst?“ – „Oh, mir geht es nicht um den Preis, mir geht es auch nicht um die Strafe. Ich möchte einfach nur dieses Geheimnis lüften“, sprach der Mann stolz mit erhobenem Arm. „So, nehmet diese Maske. Die verwandelt euch in alles, was euer Herz wünscht. Mit Würde müssen Sie sie tragen, nicht verzweifeln und nicht versagen soll der Mut in Ihnen.“ Und so machte der Mann sich mit der Maske in der Hand auf den Weg. Am späten Abend, kurz bevor die 11 Mädchen kommen sollten, bot der Vater von Celina dem Mann eine Summe Geld für das Ganze. „Nehmen Sie das Geld als Vorschuss für ihre Leistung“, meinte der Vater und wedelte mit einem Briefumschlag in der Luft herum. „Weshalb tun Sie das? Denken Sie, Sie können mit Geld alles erreichen? Jede gute Tat? Keinesfalls, Herr Bürgermeister. Ich tue es nicht für Geld“, erwiderte der Mann und strich sich durchs Haar. „Wenn Sie das Geld nicht annehmen, möchte ich nicht, dass sie auf die Mädels aufpassen!“ Der Mann schüttelte den Kopf und nahm den Umschlag an sich. Was der Vater aber nicht bemerkte, als er wegschaute, steckte der Mann das Geld in eine Schublade. Er durfte das Geld nicht annehmen. Er könnte seine Würde verlieren und die Maske half dann auch nichts mehr. Schließlich brannte ein Licht im Gartenhaus. „Das sind sie, also Sie wissen, was Sie tun müssen, okay los“, rief der Vater, der gleichzeitig ein „husch, husch“-Zeichen mit den Händen tat. Als der Mann neben dem Gartenhäuschen hockte, stellte er fest, dass das Licht immer noch brannte, aber keine Geräusche aus dem Häuschen zu hören waren. Langsam und vorsichtig öffnete er die Tür. Im selben Moment liefen die 12 Mädchen die Treppe runter. Der Mann hatte keine Zeit sich zu wundern und nachzudenken, warum aus dem Boden eine Treppe erschien. „Ich wünsche mir, ich wäre der Wind“, nuschelte der Mann mit aufgezogener Maske vor sich hin. Und so geschah es auch. Zusammen mit den 12 Freundinnen schlängelte er die goldene Treppe runter. Diesmal waren die Schritte für Celina auf der Treppe nichts Aufregendes. Selbst das jetzt schon gleißende Sonnenlicht konnte nichts daran ändern. Die Bäume leuchteten und waren mit unendlich vielen Kaugummis belegt. „Celina, ich habe heute irgendwie ein komisches Gefühl“, meinte Naomi und biss sich auf die Lippen. Der Mann, der jetzt kühler Wind war, flog durch Naomi, und der starke Windstoß blies ihr kurzes Sommerkleid nach oben, sodass man ihre Montags-Unterhose sehen konnte. Sie wurde rot und hielt ihr Kleid unten mit der Hand fest. „Schicke Höschen“, spottete Leonora. Die Arme in die Hüften gestemmt, funkelte sie Leonora zornig an. Am nächsten Morgen waren die Mädchen und der Mann, der immer noch der Wind war, wieder die Treppe hoch gekrochen. Der Mann flog aus dem Fenster und wehte die Tasche mit. „Oh nein, meine Tasche“, rief Naomi entgeistert. Der Mann verwandelte sich zurück und versuchte schnell die Beweisstücke raus zu zerren. In der letzten Sekunde schaffte er es noch, die goldenen Blätter auf den Boden zu fischen. „Das war nur der Wind, Naomi“, lachte Leonora. „Aha, der Wind ist also so stark dass…“, sagte Naomi und schwieg dann plötzlich. „Das was“, hakte Celina nach. Naomi griff die Tasche und drückte sie an sich. „Zeig mal den Inhalt “, setzte Rebekka hinzu. Sie zog an der Tasche und bekam sie dann auch. „Steine!? Du hast hier nur Steine. Weshalb!?“ Naomi verdrehte die Augen. „Die waren halt im Angebot. Ach ich weiß doch auch nicht ich…“ – „Stopp! Hört ihr das? Mein Vater lacht“, unterbrach Celina sie. „Na und, was ist damit“, flüsterte Leonora und zog eine verwirrte Schnute. „Leonora, mein Vater lacht fast nie. Kommt mit.“ Alle folgten ihr.
„Und Olaf, wie fandest du die Geschichte?“ – „Ich muss sagen, Bob, für einen Bleistift kannst du echt gute Geschichten erzählen.“ |
Der Siegertext des diesjährigen Schreibwettbewerbs: Freundschaft ohne Grenzen von Carla von Canstein
Am Weinberg soll der Park einem Museum zum Thema "Brüder Grimm" weichen. Eure Meinung dazu: Es wurden bereits 88 Stimmen abgegeben.
58047
|
||
| Website by Björn Barz | |||
Das war wirklich eine tolle Geschichte,witzig,kreativ und sonst was.Du hast wirklich Talent, das muss man sagen.