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Gabriele Beyerlein zu Besuch am FG

von David Hahn am 16.06.2011 14:12

Es ist Montag, 7:50 Uhr, erste Stunde. Aber es ist gleichzeitig auch der Beginn der ersten von sechs Lesungen der Kinder- und Jugendbuchautorin Gabriele Beyerlein, die zu Besuch am Friedrichsgymnasium ist. Gabriele Beyerlein ist zwar als Autorin nicht unbedingt bekannt, doch die Titel ihrer Bücher sind es: „Der Schatz von Atlantis“, „Schwarze Wasser“, „Die Sonne bleibt nicht stehen“, Das Feuer von Kreta“ und viele mehr. Mit ihrem ersten Buch „Die Keltenkinder“ begann ihre Schriftstellerkariere, seitdem schreibt sie vorwiegend historische Romane, aber auch Fantasyromane für Kinder und Jugendliche. Heute lebt Sie mit ihrem Mann Wolfgang und ihren zwei Kindern Christian und Brigitte in Darmstadt. Im Interview mit der QuintessenZ verriet sie uns, dass ihr dickstes Buch über 700 Seiten schwer ist und dass sie nie „Harry Potter” gelesen hat. Was sie uns noch verriet, lest ihr hier:

Frau Beyerlein, warum schreiben Sie gerade für Kinder?

Ersteinmal: Ich schreibe auch für Erwachsene, aber das Schreiben für Kinder ist schon immer mehr meins gewesen. Ich begann damals meinen Kindern abends Gutenachtgeschichten zu erzählen, irgendwann habe ich dann Gefallen daran gefunden, solche Geschichten zu entwickeln. So entstand mein erstes Buch.

Wie kommen Sie an die Stoffe für Ihre Romane?

Grundsätzlich benötige ich für jedes Buch bzw. jedes Thema einen Auslöser, der mein Interesse an dem Stoff weckt. Zusätzlich muss das Thema der Handlung sowohl für die heutige Zeit als auch für die historische Zeit, in der der Roman spielt, wichtig oder bedeutend sein. Wenn ich ein solches Thema gefunden habe, dann beiße ich mich daran fest und mache was daraus.

Cover "Schwarzes Wasser"Was faziniert Sie so am Schreiben von historischen Romanen?

Mir persönlich ist immer das Dazulernen ganz besonders wichtig. Das ist einer der Gründe, warum ich inzwischen keine Fantasyromane mehr schreibe. Ich liebe es, alles über die jeweilige Epoche zu recherchieren und die Fakten mit meiner Geschichte zu verweben. Viele meiner Ideen entwickele ich auch erst durch die Recherche an sich. Zusätzlich denke ich, dass es allgemein leichter ist, über eine weit entfernte und abgeschlossene Zeit zu schreiben als über das aktuelle, so schnell wandelbare Geschehen.

Durch welche Autoren wurden Sie bei Ihren bisherigen Werken inspiriert?

Ich habe keine Autoren, die ich als direktes Vorbild sehe. Ich denke, dass man immer seinen eigenen Weg gehen sollte. Es gibt viele wunderbare Autoren, an denen man sich orientieren kann. Früher zum Beispiel war ich großer Fan von Astrid Lindgren, auch wenn ich sie heute nicht als „Vorbild“ im klassischen Sinne sehe.

Welche Bücher haben Sie früher gerne gelesen?

Damals war die Kinder- und Jugendliteratur noch nicht so differenziert wie heute. Ich habe immer gerne „Die rote Zora und ihre Bande“ gelesen. Sehr bewegt hat mich “Die Langeruthkinder“. Die „Höhlenkinder“ von Sonnenleiter haben mich schließlich zu den historischen Romanen geführt und mich schon damals für diese Thematik begeistert.

Welche Bücher lesen Sie noch heute?

Cover "Berlin-Bülow..."Oh, da gibt es ständig neue. Ich lese sehr gerne und finde immer neue Titel, die mich interessieren. Am liebsten lese ich Bücher von Christina Wolf und Thomas Mann. Mein Lieblingsbuch ist von Tolstoi und heißt „Krieg und Frieden“, aber es ist kein Buch für Kinder.

Was können Sie jungen Autoren mit auf den Weg geben? Wie beginnt man das Schreiben eines Textes Ihrer Meinung nach am besten?

Schreiben ist immer ein langer Prozess. Man macht viele Fehler und muss aus diesen Fehlern lernen. Es gibt beim Schreiben, wie bei so vielem, unterschiedlichste Zugangswege. Man sollte beim Schreiben immer offen sein für das, was kommt, denn letztlich schreibt man immer aus der inneren Welt der Gefühle. Und das, was man vom Kopf aus geschrieben hat, das lässt sich nicht von vornherein in Stein meißeln. Ich persönlich habe zwar immer einen Auslöser, der mich zum Schreiben bringt, aber selbst dann mache ich nie einen genauen Plan der Handlung.

Wie lange schreiben Sie im Durchschnitt an einem Buch und kann man als Schriftstellerin viel Geld verdienen?

Im Durchschnitt schreibe ich immer ein Jahr an einem Buch. Autor bzw. Autorin zu sein ist grundsätzlich nicht einfach, aber es reicht zum Leben.

Was machen Sie mit dem Text, nachdem Sie ihn fertig geschrieben haben?

Meine fertigen Texte verkaufe ich an einen Verlag. Dann gehen Lektoren und andere Mitarbeiter mehrere Male über den Text und verändern ihn solange, bis dieser in deren Augen perfekt ist. Auf all dies habe ich keinerlei Einfluss. Genauso wenig wie auf das Layout, die Schriftart und das Cover. Wenn mir das Cover nicht gefällt, dann hilft nur Meditieren [grinst].

Lesung Gabriele BeyerleinLesen Sie Ihre bereits veröffentlichte Bücher noch einmal?

Während des Entstehungs- und Korrekturprozesses muss ich mein „Skript“ mehrere dutzend Mal lesen. Deswegen lese Ich meine Bücher meist erst nach vielen Jahren erneut. Bei einem meiner ersten Bücher habe ich damals sogar einen richtigen Schock bekommen, denn obwohl viele Leser dieses Buch für sehr gut hielten, fand ich es plötzlich gar nicht mehr gut. Ich brauchte damals zum Beschreiben einer einzigen, winzigen Situation so viele Worte, heute nur noch ein paar und das klingt sogar meist besser. Dieses Erlebnis war für mich ein echter Schock, denn ich fragte mich, wie ich es damals zulassen konnte, dass so etwas veröffentlicht wird. Doch dieser Moment war rückblickend sehr heilsam, denn seitdem schaue ich vor der Veröffentlichung noch einmal anders auf meine Bücher.

Auf was für Schulen sind Sie früher gegangen und welche Fächer mochten Sie am liebsten?

In der Grundschule mochte ich immer Deutsch und Sport, schon damals schrieb ich gerne Aufsätze. Die weiterführenden Schulen waren zu meiner Zeit noch etwas anders aufgebaut, als man es heutzutage gewohnt ist. Damals gingen Jungen und Mädchen auf getrennte Schulen. Die Jungen hatten bei uns ein humanistisches und ein naturwissenschaftliches Gymnasium. Beides hätte mir sehr gut gefallen, doch die Mädchen mussten auf das Mädchengymnasium, und das war neusprachlich geprägt, dort wurden Französisch, Englisch, Spanisch und viele weitere Sprachen unterrichtet. All diese Sprachen mochte ich nicht besonders, denn ich mochte eher Fächer wie Mathe, Latein, Deutsch und vor allen Dingen Geschichte. In meiner Freizeit war ich damals sehr abenteuerlustig und ging gerne mit Freunden in den Wald, wir spielten die verrücktesten Dinge und hatten jede Menge Spaß.

Was machen Sie neben Lesungen und Schreiben gerne in Ihrer Freizeit?

Ich lese, höre Musik, spiele Klavier und Flöte und gehe sehr gerne spazieren. Ich bin auch gerne mit Leuten zusammen und unterhalte mich. Zusätzlich meditiere ich täglich. Meditieren ist professionelles Nichtstun und sehr entspannend, es hilft mir dabei, mich zu sammeln.

Wieso machen Sie Autorenlesungen?

Zum Einen sind diese Lesungen ein Teil meines Berufes. Zum Anderen ist mir der Wechsel zwischen dem Rückzug (dem Schreiben) und dem Kontakt zu den Lesern – auch um die Resonanz wahrzunehmen – sehr wichtig.

Vielen Dank, dass Sie Zeit für uns hatten.

Klar, immer gerne...

TIPP: Viele der Bücher von Gabriele Beyerlein findest du auch in der Unter- und Mittelstufenbibliothek! Einfach nachfragen...

Quid novi?
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Und die Gewinnerin in der Kategorie "Oberstufe":
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