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Ökumenischer Kirchentag 2010

von Leonie Gerlach, Nico Rohrer und Annalena Döbel am 14.06.2010 20:28

München am 11. Mai 2010 – noch nimmt alles in der Landeshauptstadt Bayerns seinen gewohnten Lauf: Schüler hasten zur U-Bahn, um noch rechtzeitig zur Schule zu kommen, Beamte stehen im Stau, kurz vor einem wichtigen Termin, Touristen schlendern durch den Olympiapark und knipsen ein Foto nach dem anderen. Noch ist München „nur“ eine Stadt im Herzen Bayerns. Nur die Heimat des wohl erfolgreichsten (und deshalb von vielen nicht gemochten) Fußballvereins Deutschlands. Nur „Lederhose, Weißwurscht und Bier“. Einen Tag später sieht das schon ganz anders aus: Es treffen erste Besucher ein, die nicht unbedingt nur das Ziel haben, sich mit sämtlichen Sehenswürdigkeiten fotografieren zu lassen oder im nächstbesten Souvenir-Shop eine Lederhose zu kaufen. Andere Leute aus ganz Deutschland machen sich ebenfalls auf den Weg in Bayerns Metropole. Und am Abend dieses 12. Mais 2010 ist die Innenstadt Münchens überfüllt mit tausenden Menschen aus ganz Deutschland, die lachen, singen und Party machen. Der Grund? In München findet in den folgenden vier Tagen der ökumenische (nicht ökonomische oder ökologische) Kirchentag 2010 statt. Der zweite ökumenische Kirchentag überhaupt nach dem 2003 in Berlin. Jede Menge Menschen, darunter auch eine Menge neuer Bekanntschaften, viele Veranstaltungen (und dementsprechend auch ein ebenso vielseitiges Veranstaltungsbuch), volle Bahnen, volle Plätze und singende Mengen – Kirchentag. Diese vier Tage in München standen unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt!“. Hoffnung vor allem auf eine weitere so gute und noch bessere Zusammenarbeit zwischen katholisch und evangelisch, den zwei großen Konfessionen in Deutschland, Hoffnung auf noch mehr Ökumene. Aber auch auf vieles weitere im eigenen Leben. Man sollte die Hoffnung nie aufgeben.

Wir gehörten zu diesen 130.000 Dauerbesuchern des Kirchentages. Mit einer Gruppe Jugendlicher aus ganz Kassel sind wir mit dem Bus am 12. Mai morgens am Hauptbahnhof Kassel losgefahren. Eigentlich verlief die Fahrt nach München relativ sorgenfrei und wir kamen abends so gegen 18.00 Uhr an unserem Quartier in Freising (eine kleine Stadt bei München – 45 Minuten mit der S-Bahn zur Innenstadt) an. Isomatte aufpumpen, Schlafsack ausrollen, Quartier-Ausweis und Fahrkarte abholen, wichtige Fragen klären und den anderen unauffällig zur S-Bahn-Haltestelle folgen. Es war jedoch trotzdem zu spät, um noch rechtzeitig den Eröffnungs-Gottesdienst mitzubekommen. Nachdem wir dann reichlich spät ins Quartier kamen, legten wir uns in unsere Schlafsäcke. Viel Zeit zum Schlafen blieb nicht, wie eigentlich jeden Tag, denn wenn man nichts verpassen wollte, sollte man rechtzeitig aufstehen.
In der S-Bahn haben wir dann aus dem riesigen Angebot an Konzerten, Aktionen und sonstigen Veranstaltungen das passende rausgesucht (man schaffte sowieso nicht viel an einem Tag), um uns dann, mit einer riesigen Stadtkarte bewaffnet, zu den jeweiligen Veranstaltungsorten durchzuschlagen. Das Wetter dieser Tage war auch ein Grund zum Hoffnung haben: Hoffnung auf besseres Wetter, denn eigentlich regnete es fast ununterbrochen.

 

Abend der Begegnung

Der Abend der Begegnung fand, wie bei jedem Kirchentag, gleich am Abend der Anreise statt.

Den Beginn machten die Eröffnungsgottesdienste. Wir konnten leider an keinem dieser teilnehmen, da wir bei der Anreise mehrere Stunden im Stau standen und so nicht rechtzeitig ankamen.

Dieses Mal stand der Abend unter dem bayerischen Motto: „Grüß Gott!“ Passend dazu stellten sich die verschiedenen Regionen mit landestypischen Speisen vor. An diversen Ständen konnte man alles von Leberkäs über Schupfnudeln bis hin zu Zwetschgendatschi kaufen. Auf den zahlreichen Bühnen spielten beispielsweise „Sternenblut“ oder der „Niederbayerische Musikantenstammtisch“.

Gegen 22:00 Uhr wurden Kerzen verteilt und die ganze Münchener Innenstadt schien nur auf den Moment zu warten, in dem sie in einem Lichtermeer erstrahlen sollte. Gegen 22:30 Uhr war es dann soweit. Der Abendsegen wurde gesprochen, die Schlusskomposition gespielt und die Kerzen angezündet. Es entstand eine stille und andächtige Atmosphäre der Gemeinschaft. Anschließend ein ziemliches Gedränge in den U-Bahnen… Zwinkernd

 

Wise-Guys-Konzert

Gegen 17 Uhr trafen wir an der Theresienwiese ein, die man schon zu diesem Zeitpunkt in „Theresiensumpf“ hätte umtaufen sollen. Das mit dem Taufwasser wäre kein Problem gewesen, denn schon den ganzen Tag schüttete es wie aus Kübeln. Nun gab es da auch noch das Problem, dass die Wise-Guys erst für 20 Uhr angesetzt waren. Der strömende Regen, gepaart mit dem schneidenden Wind trugen ebenfalls dazu bei, die Stimmung auf den Nullpunkt sinken zu lassen. Während sich also meine 2 Mitautorinnen auf mitgebrachte Plastiktüten setzten, kramte ich den Kavalier heraus und betätigte mich als „Schirm-darüber-Halter.“ Dem Vorprogramm schenkte niemand übermäßige Beachtung, waren wir doch viel zu sehr damit beschäftigt, nicht zu erfrieren oder mitten in München zu ertrinken. Doch als um ca. 19:30 Uhr klar wurde, dass es jetzt bald losginge, hob sich die Stimmung merklich und die 40.000 Menschen, die sich trotz des grässlichen Wetters auf der Theresienwiese versammelt hatten, machten sich bereit, eine Riesenparty zu feiern. Eines war schon zu diesem Zeitpunkt klar: Die Ökumene in Deutschland ist wetterfest.Wise guys

Und dann fing das Konzert an. Es wäre an dieser Stelle nicht in meinem Sinne, das Konzert hochzuloben, daher sage ich ganz nüchtern: ES WAR DER HAMMER.

Kaum donnerten die ersten Bässe über die Menge hinweg, war der Regen nicht mehr existent.

Wirkliche Höhepunkte kann ich nicht benennen, an sich war das ganze Konzert ein einziger Höhepunkt. Aber als wir uns nach dem Konzert klatschnass in den U-Bahnhof drängten, sang der komplette Bahnhof lauthals den Kirchentagssong der Wise-Guys, „Damit ihr Hoffnung habt“. Das war für mich persönlich der schönste Moment an diesem Abend.

 

München rockt für eine Welt

An einem anderen Abend war mal wieder die Theresienwiese (bzw. der Theresiensumpf) unser Ziel. Denn hier sollte das nächste große Konzert stattfinden: „München rockt für eine Welt“ wurde von den christlichen Hilfswerken Brot für die Welt und MISEREOR veranstaltet. Natürlich ließen sie es sich nicht nehmen, in diesem Rahmen auch auf ihre Projekte aufmerksam zu machen, für die man auch gleich spenden konnte. „Wir sind ja schließlich nicht nur zum Spaß hier!“ Doch natürlich bekamen wir noch unsere tüchtige Portion Spaß, besonders bei den beiden größten Auftritten von Christina Stürmer und Cassandra Steen. Und ja, München hat gerockt!

 

Celtic Night of Vision and Songs

Celtic nightsAuf dieses Ereignis hatte ich mich schon im Voraus gefreut, da ich die Keltische Band rund um den fränkischen Pfarrer Andy Lang schon auf dem Evangelischen Kirchentag 2009 in Bremen erlebt hatte. Auch wenn wir zunächst die falsche Kirche erwischten, schafften wir es doch rechtzeitig zu Konzertbeginn und quetsch ten uns zu dritt auf eine Bank an der Seite. 

Das Konzert bestach vor allem durch die Vielfalt des gebotenen musikalischen Programms.

Von langsamen, gefühlvollen Balladen (u. a. My Love is like a Raven) bis zu schnellen, heiteren Stücken, wie z. B. „The Lord of the Dance“ war für jeden Geschmack etwas dabei.

Am Ende des Konzerts waren wir uns darin einig, dass sich der Besuch gelohnt hatte.

 

Reinfälle

Neben den ganzen Events und schönen Erlebnissen gab es aber leider auch einige Veranstaltungen, die sich nicht wirklich lohnten.

Ein Beispiel hierfür ist ein Konzert, das sich „Konzert wie ein Spiel“ nannte. Der Hintergedanke dabei war, dass sich die Musiker zuhören und das Spiel des Vorgängers mit ihrem Instrument fortführen und ergänzen sollten. Doch schon die Klänge, die der Beginnende erzeugte, bereiteten mir wahnsinnige Kopfschmerzen. Er und sein „Mischpult“ schienen von einem anderen Stern zu kommen, wo solch eine „Albtraummusik“ sehr beliebt sein muss. Ich möchte natürlich jedem seinen persönlichen Musikgeschmack lassen, doch dieses musikalische Erlebnis der besonderen Art zehrte so an meinen Nerven, dass wir uns anderen Zuhörern anschlossen und das Gebäude verließen. Außer diesem krassen Beispiel gab es natürlich immer mal überfüllte Kirchen, in denen man den Gottesdienst dann ausschließlich über kaum funktionierende Lautsprecher verfolgen durfte. Auch trockene und uninteressante Vorträge gehören zu den Risiken, denen man sich auf dem Kirchentag bewusst sein sollte.

 

Abschlussgottesdienst

Auf den Abschlussgottesdienst hatte eigentlich niemand wirklich Lust. Wir waren alle fertig von viel zu wenig Schlaf und vier Tagen voller Aktionen und wollten eigentlich nur noch im Bus unser Schlafdefizit ausgleichen. Die Temperatur von 6° Celsius und der beißende Wind trugen auch nicht direkt dazu bei, uns Lust auf diesen Gottesdienst zu machen. Wir drängten uns also eng zusammen und beschlossen, die Sache auszusitzen. Vom Gottesdienst bekamen wir nicht viel mit, es wurde viel geredet, christliche Würdenträger aller Konfessionen sprachen ein paar Worte, es wurde kräftig in Alpenhörner gepustet und ein wenig gesungen. Nach etwa 90 Minuten hatten wir es geschafft und kehrten klammgefroren zu unseren Bussen zurück. Der Ökumenische Kirchentag 2010 in München war zu Ende.

 

Am 16. Mai verließen die Massen München wieder, halb durchgeweicht, mit der ein oder anderen Erkältung und so mancher krächzender Stimme. Und die Hoffnung auf besseres Wetter erfüllte sich dann auch noch, auf dem Heimweg. Dann war München wieder sich selbst überlassen und alles konnte seinen gewohnten Lauf nehmen.

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