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Abitur

von Lisa Brüßler am 10.03.2011 09:14

Der Begriff „Abitur“ erlangte in den letzten Wochen erst an Inhalt. Vorher war er wohl jedem ein Begriff, aber er war nicht mit Leben gefüllt.

Klar, es gab ein Bild, wenn man in den letzten Jahren zur Abiturzeit durch den Neubau lief und die Abtrennung des Abiturbereichs vom restlichen Schulbetrieb bemerkte, all die bunten Plakate ansah, die Glück wünschen sollten oder gar selbst eines gemacht hatte. Doch der Begriff selbst war meilenweit weg.

Auch als man sich in 13.1 für seine Prüfungsfächer entschied, war das Abitur noch nicht griffig. Auch als man am 1. Februar seinen Abiturbogen ausfüllte war das Abitur noch nicht da.

Erst als man sämtliche Vorschriften á la „Das Mitnehmen des Handys in den Abiturbereich – egal ob an oder ausgeschaltet – wird bereits als Täuschungsversuch gewertet“ vorgelesen bekam, die Richtlinien für seine Prüfungsfächer erfuhr und alle Formalien wie Prüfungsbeginn, Prüfungsdauer in Grund- und Leistungskursen verinnerlichte, war das Abitur da. Doch nicht so bedrohlich wie der Begriff sonst gewirkt hatte.
Nein, für mich war das Wort „Abitur“ jetzt in seiner Bedeutung erfasst. Ich wusste, was auf mich zukommt und verlor damit auch die Angst davor.

Auch als ich bemerkte, dass es durch die von der Schule gewährten Studientage plötzlich nur noch zwei Einzelstunden Mathematik vor dem Matheabitur waren, wobei das Wiederholen des Stoffes noch nicht wirklich weit fortgeschritten war, hatte ich trotzdem den Eindruck, dass es auf jeden Fall machbar ist. Und nicht nur machbar, sondern auch gut machbar.

Auf seinem Weg zur Schule kommt man auch an anderen Schulen vorbei, die schon seit längerer Zeit mit bunten Plakaten geschmückt sind. Man freut sich für denjenigen, dem Glück gewünscht wird, und stellt überrascht, zugleich aber auch erschreckt fest: „Moment, ich bin ja auch eine derjenigen, die dieses Jahr, sogar zur selben Zeit, das Abitur ablegen werden.“
Ein weiterer Schritt in die Realität.
Vom großen, angsteinflößenden Begriff hin zu einem, der eigentlich nur eine große Prüfung unter strengeren Bedingungen darstellt.

Für mich sind es nun nur noch 7 Tage bis zur ersten Prüfung. Eigentlich freue ich mich, weil ich über vier Stunden Zeit bekommen werde, mein gesamtes Wissen zu einem Thema abzurufen und unter Beweis zu stellen.

Ich habe wenig Angst, dass ich es nicht schaffen könnte. Dadurch, dass nach der ersten Abiprüfung der Ablauf einer Abiturprüfung bekannt ist, bin ich hoffentlich für die folgenden Prüfungen gerüstet und werde es mit der nachfolgenden – meiner Meinung nach recht effektiven – Hilfe schon meistern.

Amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Beeinträchtigung durch Prüfungsangst sinkt, wenn man sich seine Ängste und Befürchtungen etwa 10 Minuten vor der Prüfung sozusagen als worst-case scenario aufschreibt.

Gerade bei so wichtigen Prüfungen wie der Abiturprüfung kommt es dazu, dass die Prüflinge unter einem hohen Druck stehen. Dieser Druck sitzt im Kurzzeitgedächtnis, also in dem Teil des Gehirns, der für das Erinnerungsvermögen zum Lösen der Prüfungsaufgaben notwendig ist. Das Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis hat aber eine begrenzte Kapazität, die durch das Sorgen, Nachgrübeln und Zweifeln bereits erreicht ist. Bestünde nun diese Blockade nicht, wäre ein Arbeitsgedächtnis ohne Einschränkungen verfügbar und die Prüfung könnte „sorgenfrei“ geschrieben und bei effektivem Lernen bestanden werden. [1]

Bleibt eigentlich nur noch eins: ich wünsche mir, dass am nächsten Montag, dem 14. März die Sonne so schön scheint wie heute morgen und dann kann nichts mehr schief gehen.

In dem Sinne, viel Glück für alle hessischen Abiturienten und solche, die es in den nächsten Jahren werden. Nehmt dem Begriff das, was euch Angst macht…

 

Lest weiter in Abitur (Teil II).


Lilli
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass das Abitur eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie es sich anhört. Mein Abi hab ich ja letztes Jahr gemacht, also kann ich das ja ruhig behaupten :)
Liebe Abiturienten: seid wirklich froh, dass ihr so viele tolle Mitschüler habt, die euch unterstützen, vor allem mit den supertollen und vielen Transparenten an der Schule. Wir hatten in Melsungen an unserer Oberstufe höchstens 4 Plakate vor der Tür hängen. Im Gegensatz zu den vielen hier kommt mir das im Nachhinein ziemlich demotivierend vor.
Und die Prüfungen sind nicht wirklich schlimm. Ich hatte für meine Leistungsfächer Englisch und Französisch gar nicht gelernt, aber trotzdem eine gute Note erhalten. (In Englisch hab ich sogar 2 Stunden aus dem Fenster geschaut, während sich die anderen ziemlich verrückt gemacht hatten...) Und selbst Mathe war, wie unser Mathelehrer damals sagte, erschreckend einfach (wobei das auch von Jahr zu Jahr unterschiedlich ist). Und dabei hatte ich nur 3 Tage vorher mit dem Lernen angefangen!
Also: Lasst euch nicht entmutigen, jeder schafft die schriftlichen Prüfungen, auch der schlechteste bekommt dies noch hin! :) Es sind immerhin "nur" Prüfungen.
Viel Glück an alle Abi-Leute! :)
Quid novi?
Der Siegertext des diesjährigen Schreibwettbewerbs:
Freundschaft ohne Grenzen
von Carla von Canstein

Und die Gewinnerin in der Kategorie "Oberstufe":
Lotte oder der grüne Luftballon
von Lilli Möller
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