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Abitur (Teil II)

von Lisa Brüßler am 17.03.2011 18:05

Als ich am Dienstagmorgen ­­­– eine Nacht nach dem ersten Abiturtag – die Zeitung aufschlage, kann ich meinen Augen nicht trauen: Das Thema meines gestrigen Abiturvorschlags in Politik und Wirtschaft ist heute ­das Titelthema der örtlichen Lokalpresse.
Während ich mir gestern um diese Zeit noch verzweifelt Fakten über die repräsentative und die direkte Demokratie aus den Finger sog, halte ich diese heute ­– übersichtlich zusammengefasst– in meinen Händen. Welch Ironie des Schicksals!

Nun gut, auf zur nächsten Etappe der Abitur-Tour.

Mittwochmorgen. 8 Uhr 30. Als ich das Schulgelände betrete, überfallen mich Gedanken wie: „Dreh' dich um und geh wieder“ oder „Ich würde lieber in allen anderen Fächern Abitur machen als in Mathe“. Dass eine Mitschülerin wirklich nicht mitschreiben kann, ist angesichts des Schwierigkeitsgrads der Nachtermine wirklich ärgerlich. Und dass eine Schülerin erst in der Prüfung bemerkt, dass sie drei von sechs Vorschlägen und nicht nur einen bearbeiten muss, war eine nette Auflockerung der Prüfungssituation. 

8 Uhr 45. Der Musiksaal des Neubaus ist mit 45 wartenden Mathematik-Grundkursschülern gefüllt, die darauf warten, ihr Wissen (oder auch Unwissen) in Analysis, Stochastik und Analytischer Geometrie abrufen zu dürfen.
Die Luft ist schlecht. 45 Gesichter schauen teils erwartungsfreudig, teils misstrauisch auf die Lehrer, die die verhassten Konstruktionen des Hessischen Kultusministeriums in den Händen halten. 

Und dann sind sie da: Die Vorschläge. Der erste fliegt gleich an die äußerste Kante meines Einzeltisches: Exponentialfunktion als brutale Anwendungsaufgabe. Eigentlich wollte ich doch die E-Funktionen nehmen, weil die oftmals leichter sind. Nun gut, bleibt wohl nur noch der Ballonflug, beschrieben durch eine ganzrationale Funktion.
Die Stochastikaufgabe liegt vor mir. Im Prinzip ist es egal, welche ich nehme, da ich mit diesem Thema sowieso auf Kriegsfuß stehe. Versüße ich mir das Ganze doch, indem ich die Entscheidung mit Auszählen treffe.

Als ich dann das Wort „Schattenwurf“ im ersten Vorschlag der Analytischen Geometrie lese, ist auch schon klar, dass ich diesen nicht nehme. Fünf von 45 Minuten Auswahlzeit sind rum und ich kann beginnen. Die anderen sind anscheinend noch nicht so weit. Viele lassen sich Zeit, packen erst einmal ihr Frühstück aus und lesen gemütlich. Die Gedankenspiele mancher Gesichter zwischen „Ich habe keine Lust“ und „Zieh’ das jetzt durch“ sind interessant zu beobachten. Gut vier Stunden später haben wir es dann überstanden.

Wie, ist noch die Frage, aber ersteinmal zählt, dass es vorbei ist, und 21 Prozent, die Hürde für einen Punkt, wird doch wohl jeder überwunden haben…

Quid novi?
Der Siegertext des diesjährigen Schreibwettbewerbs:
Freundschaft ohne Grenzen
von Carla von Canstein

Und die Gewinnerin in der Kategorie "Oberstufe":
Lotte oder der grüne Luftballon
von Lilli Möller
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