Athene

Altgriechisch - Eine tote Sprache ohne Aktualitätsbezug?

von Paula Kaiser am 22.09.2011 17:46

Samstag, 6:45 Uhr: Müde Schüler stehen vor dem Friedrichsgymnasium. Auch der Reisebus ist schon da. Keiner kann sich mehr daran erinnern, warum er so früh – und das auch noch an einem Samstag – unterwegs ist.

Über 30 „Graezisten” des Friedrichsgymnasiums machten sich auf, die Welt der Griechen, des trojanischen Krieges und der Philosophen gemeinam mit renommierten Altphilologen zu erkunden. Wie es dazu gekommen ist? Frau Dr. Polke, die einige von euch sicher noch kennen, hat diesen Tag organisiert und uns – ihre alte Schule – herzlich dazu eingeladen. Nur leider begann dieser Tag sehr früh, und von Kassel bis zum Ort des Geschehens – Königsstein – war es eine ganze Ecke.

Pünktlich um kurz nach 7 fuhr der Bus ab, einige nutzten die Gelegenheit, um noch eine Runde zu schlafen, andere unterhielten sich leise. Nach fast 3 Stunden hielt der Bus schließlich an. Er war steckengeblieben, in einer der engen Straßen Königssteins. Wir wurden entlassen, es war nicht mehr weit bis zur Bischof-Neumann-Schule.

Als wir uns in der Aula der Schule eingefunden hatten, wurden wir freundlich von den Organisatoren begrüßt. Der Raum war voll – 220 Interessierte kamen von 39 Schulen und 7 Universitäten aus fast ganz Deutschland.

Nach der Begrüßung ging es dann direkt los. Prof. Dr. Michael Erler hielt uns einen Vortrag über den Sinn von Gerechtigkeit und bezog sich dabei auf Platons „Politeia”. Dieser Vortrag war sehr komplex aufgebaut und erforderte ein großes Hintergrundwissen, dass uns Schülern zum Teil leider fehlte.

Um 11:45 Uhr begann der zweite Vortrag zum Thema „Kallikles und Hitler”, von Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig, die die historische Figur Kallikles, eine Figur aus den sokratischen Dialogen, mit Hitler verglich. Der Sokratische Dialog zielt darauf ab, den Personen ihr falsches Handeln zu widerlegen und sie damit zu „besseren Menschen” zu machen. Prof. Dr. Zehnpfennig kam dabei zu dem Schluss, dass wenn Hitler zu einem solchen Dialog gezwungen worden wäre, er niemals an die Macht gekommen wäre. Wie zweifelhaft diese Aussage ist, ist wahrscheinlich allen von euch bewusst. So hat auch das Publikum kritische Fragen gestellt, die den Schluss der Sprecherin deutlich zurückwiesen.

Weiter ging es mit einem sehr bekannten Altphilologen, Prof. Dr. Arbogast Schmitt, der Schuld und Unschuld anhand von Sopholkes' König Ödipus näher ausführte. Die Geschichte werden viele kennen und sie zu erzählen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Der letzte Vortrag war für die meisten von uns auch der spannendste. Prof. Dr. Joachim Latacz berichtete über neue Erkenntnisse zum Trojanischen Krieg. Dabei stützte er sich auf die Thesen Homers, wobei er immer betonte, dass Homer als Dichter nicht unbedingt eine zuverlässige Quelle darstelle. Mit einfachen Worten erklärte er, dass die Existenz des trojanischen Krieges zwar noch nicht bewiesen ist, durch die neuen Erkenntnisse allerdings weit aus wahrscheinlicher geworden wäre.

Beeindruckend an allen Reden war die ausgezeichnete Vorbereitung, so konnten 2 der Professoren aus dem Kopf altgriechische Verse zitieren, die wir nicht einmal übersetzen können, und alle haben es geschafft, uns die griechische Sprache und die Aktualität der Philosophie ein wenig näher zu bringen.

Nach langer Rückfahrt stiegen wir schließlich um 20:30 vor dem FG aus dem Bus aus, fuhren mit Bus und Bahn, oder mit dem berühmten Taxi Mama nach Hause und betrachteten müde, aber stolz unsere errungen Teilnahmebescheinigungen des 2. Hessischen Graezistentages in Königsstein.

Frau Dr. Polke, wir danken Ihnen für die hervorragende Organisation des Tages und hoffen sehr, ein ähnliches Ereignis noch einmal erleben zu dürfen.


Karina
Nehmt weiterhin alles wahr, was euch fachlich geboten wird!
Björn Barz
Bei gewissen Graecisten, die einst bei Lüdemann in Diensten standen, sollte man auch alles wahrnehmen, was einem unfachlich geboten wird!
Karina
Da gebe ich dir durchaus mehr als Recht :D
Quid novi?
Der Siegertext des diesjährigen Schreibwettbewerbs:
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