Athene

Was macht die Kunst?

von Annalena Döbel am 13.05.2011 20:19

Es war ein milder Abend, an dem der „Kunstgarten“ am 4. März  seine Türen öffnete. Und nur wenige Leute ließen es sich nicht entgehen, einen Blick hinein zu werfen und vielleicht auch ein bisschen länger zu verweilen. Darunter sowohl Verwandte und Bekannte der ausstellenden Schüler als auch viele weitere Schüler und auch Lehrer des FGs. Je zwei Schüler aus den jeweiligen Leistungskursen eröffneten diese Vernissage und informierten über die Entstehungsweisen der Kunstwerke. Auch die Lehrer der Kurse, Frau Rehborn für den der E2 und Herr Weber für den des 12. Jahrgangs, begrüßten die zahlreich erschienenen Gäste, bevor diese die Werke der Schüler genauer betrachten und diskutieren konnten.

Kunstgarten – Blüten, Ironie und Fotografie

Eines der Blüten Blow-Ups des Kunstleistungskurses von Frau Rehborn.

Sogenannte „Blow-Ups“ von Blüten, dies sind stark vergrößerte Ausschnitte einer Blüte, die oft so gewählt wurden, dass man die eigentliche Blüte gar nicht mehr erkennt, waren auf Notenständern bunt im Raum verteilt. Als Vorbild für diese Blow-Ups des Kurses der E2 dienten die Werke von Georgia O'Keeffe, die im 20. Jahrhundert  durch ihre äußerst detailreich gemalten Blütenbilder bekannt wurde. Die Aufgabe, die Kurslehrerin Frau Rehborn dazu gestellt hatte, war, diese Blütenausschnitte erst mit Bleistift auf großformatiges Papier zu bringen und  sie dann  farbig umzusetzen, entweder mit Acryl oder mit Aquarell. Dadurch, dass man versuchte, alle möglichen Details, die die gewählte Blüte bot, genau zu erfassen und umzusetzen, entdeckte man bei dieser Arbeit nicht nur den Detailreichtum des darzustellenden Objekts, sondern auch viele neue Techniken, diesen mit den gegebenen Mitteln plastisch umzusetzen. Neben den Blütenbildern, die namensgebend für diese Ausstellung waren, zeigte der Kurs auch noch während der Projektwoche im Bergpark Wilhelmshöhe entstandene Fotografien. Auf diesen sind verschiedene Orte des Bergparks so inszeniert worden, dass die Bedeutung und der historische Hintergrund dieser Orte deutlich werden. Um dies bestmöglich umzusetzen, wurden Kostüme ausgeliehen, verschiedene Requisiten zusammengesucht oder hergestellt und die fotografischen Möglichkeiten der Spiegelreflexkamera  erkundet, um am Ende spannungsreiche, interessante, aber auch zum Überlegen anregende Fotografien zu erstellen.

Ein Bilderbogen des Kunstleistungskurses von Herrn Weber. Neben den Fotografien hangen die dazugehörigen Konzepte zum Nachlesen.

Der Leistungskurs des Jahrgangs 12 zeigte seine im ersten Halbjahr dieses Schuljahres entstandenen Plastiken, die nach der intensiven Auseinandersetzung mit der Anatomie des Menschen entstanden. Dieses an den Figuren der Künstler Fischli und Weiß orientierte Projekt  beinhaltete die Aufgabenstellung, den Plastiken mit verschiedenen Charakteristika und Merkmalen etwas Ironie zu verleihen, was noch mehr dazu anregte, sich als Besucher mit der Plastik auseinanderzusetzen. Außerdem waren abstrakte Fotografien ausgestellt, die im Raum durch von der Decke herabgelassene Bilderbögen gekonnt inszeniert wurden. „Abstrakte Fotografie“ – erst einmal hört sich das Thema gar nicht so schwierig an, wie es eigentlich ist. Auch der Kurs betonte das noch einmal während eines Interviews:  Zu Beginn wisse man gar nicht, wie viel Aufwand eigentlich dahinter steckt. Was ist eigentlich genau abstrakte Fotografie? Was kann und will ich abstrahieren? Orientiert an Werken verschiedener Künstler, u. a. Man Ray und Jeff Walls, die es verstanden, zu abstrahieren, Bekanntes unbekannt zu machen, kam man der Thematik jedoch Schritt für Schritt näher und entdeckte schließlich das Unbekannte in bekannten, alltäglichen Gegenständen. Und gerade dieser Arbeitsprozess, ihn zu erleben und zu gestalten und am Ende positive Erfahrungen gemacht zu haben, war das Schöne an diesem Projekt. Letztendlich konnte man nach dem schwierigen „letzten Schliff“ seine eigenen abstrakten Fotografien in den Händen halten, die nun dem öffentlichen Publikum gezeigt werden konnten.

 

 

Vox populi

Der Kunstgarten war gut besucht und war oft auch Gesprächsthema des Abends.

Es ist das erste Mal am FG, dass die Kunst „was macht“, das heißt, sich auch dem öffentlichen Publikum präsentiert. Da ist es natürlich umso spannender zu erfahren, wie die Ausstellung dem Publikum gefiel, was schön war, und was verbessert werden sollte. Feedback bekam man genug, und das nicht unbedingt erst nachdem man fragte. Schon während der Vernissage in vielen angeregten Diskussionen zwischen Künstlern und Besuchern, aber auch im Nachhinein kam ein größenteils wirklich positives Feedback zurück. Endlich könne man einmal sehen, was  in den Leistungskursen alles während des Unterrichts gemacht wird. Und das könne sich durchaus auch sehen lassen! Auch die Künstler selbst fanden die Ausstellung durchaus gelungen, vor allem auch, weil sie selbst „gefragt“ waren. Natürlich könne man noch vieles verbessern, das kristallisierte sich auch aus den Gesprächen mit den Besuchern heraus. Manche fühlten sich zu wenig über die Werke informiert. Andere fanden, dass die einzelnen Kunstwerke und Ausstellungsstücke von der Thematik her besser aufeinander abgestimmt werden sollten. Wiederum andere fanden es mit den vielen Ausstellungsstücken und der Art und Weise, wie sie ausgestellt waren, zu eng in einem Raum wie der Mensa. Man sollte sich vorher untereinander besser absprechen und länger im Voraus planen, was man ausstellt und vor allem wie. Da stellt sich doch gleich die Frage:

Wird es so etwas öfter geben?

Es muss so etwas öfter geben! Die Kunst ist gefragt am FG, was nicht allein aus den vielen positiven Feedbacks deutlich wird. Aber nicht nur in so einem eher kleineren Rahmen, sondern durchaus groß geplant und vor allem nicht alleine von den Leistungskursen organisiert. Die Künstler wünschen sich da auch von der Schule selbst mehr Unterstützung. Gefördert werden die Musik, die Orchester und die Chöre, die das FG ja auch durchaus bekannt machen und die auch weiterhin gefördert werden sollten. Aber muss man, nur weil die Schule einen musikalischen und altsprachlichen Schwerpunkt hat, auf die Unterstützung der Kunst verzichten? Es gibt Interessenten, und davon nicht wenig! Solche Ausstellungen würden enorm helfen, die Kunst am FG bekannter zu machen, und mit mehr Unterstützung wäre das sicherlich einfacher. Aber auch andere Problemstellen wurden genannt: Unterrichtsentfall zu Gunsten diverser Projekte sei für Musikkurse kein Problem. Wenn jedoch ein Kunstkurs einmal eine Ausstellung besuchen möchte, dürfe auf keinen Fall dafür anderer Unterricht ausfallen. Auch mit dem Material sieht es für die Kunst am FG ziemlich schwierig aus: Die Ausstattung der Fachräume ist teilweise schon überholt und die Schüler müssten sich an Materialien vieles selber kaufen. Auf der Homepage des FG könnten die Bilder und Werke der Kunstkurse gezeigt werden (wie es auf der Homepage der Quintessenz in der Galerie schon getan wird, Anm. d. Red.). Und von dem von jemandem so schön betitelten „Charme der Achtziger“ unserer Schulflure ist ganz zu schweigen. Ja,  die Künstler stehen zur Verfügung und würden liebend gerne mithelfen, mal das FG so ein bisschen zu „entstauben“. Öfter wechselnde Ausstellungen auf den Fluren, Mitgestaltung von Klassenräumen, etc. Frischer Wind in das traditionelle Friedrichsgymnasium! Ich könnte noch ein paar weitere Kommentare auflisten, aber ich finde, die Menge des bisher Genannten reicht schon, um zu zeigen, dass es da von Seiten der Schule durchaus Nachholbedarf gibt.

Wer weiß, vielleicht wird es schlon bald wieder einen Kunstabend am FG geben...

Manches,von den Lehrern und Schülern Organisierte, läuft ja auch schon. Momentan sind zum Beispiel die Blüten-Blow-Ups noch einmal in der Mensa ausgestellt, was auch durchaus gut ankommt. Außerdem wurde jetzt umgesetzt, dass die Kunstkurse in Zukunft die Plakate für Konzerte u. Ä. gestalten. Kunst und Musik müssen ja nicht unbedingt getrennt werden. Wege und Möglichkeiten, die Kunst zu unterstützen, gibt es.

Mit der Vernissage machte die Kunst erfolgreich auf sich aufmerksam. Vielleicht tut sich ja jetzt mehr. Vernissage steht laut Wörterbuch übrigens für „Eröffnung einer Kunstausstellung“. Das war also erst der Anfang, wir sind gespannt, was kommt!


Die weitren Bilder des Abends findet ihr hier.

Quid novi?
Der Siegertext des diesjährigen Schreibwettbewerbs:
Freundschaft ohne Grenzen
von Carla von Canstein

Und die Gewinnerin in der Kategorie "Oberstufe":
Lotte oder der grüne Luftballon
von Lilli Möller
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